Der Wald

Gleichmütig steht der Wald
Zwischen Himmel und Erde
Reckt seine Zweige zum Licht
Das sich in Laub und Farnen bricht
Die Wurzeln tief in feuchter Erde

Die Börse stürzt
Die Wirtschaft kollabiert
Menschen laufen Amok
Kriege wüten

und der Wald?
Er steht und schaut
Ganz unbetroffen.

Ich gehe in den Wald
Und lasse meinen Sorgen dort
Erst springen die Gedanken noch
Von Ast zu Ast
Dann sind sie müde
Lassen sich nieder
Im kühlen Moos
Ich bin sie los
atme pures Leben
das kommt und geht
ganz ohne Drama

Aber dann, hinter’m Gebüsch
tauchen sie wieder auf
die Schatten der Vergangenheit
die Furcht vor dem was war
die Panik vor dem was kommt
Ängste gemacht von Menschenhand

Der Wald
Kennt keine Vergangenheit,
keine Zukunft
keine Straße von da nach dort
nur Zyklus
Tag und Nacht,
Sommer und Winter,
Leben und Sterben.
Er steht im Moment
atmet
unseren Angstschweiß
und spendet Trost

Halte mich Baum!
Ich lege meine Arme
um deinen Stamm
meinen Finger auf deine Wunde
dein Harz sei mein Pflaster
deine Rinde mein Kissen.
Mein Ohr an deinem Stamm
hör ich dein Herz.
Oder ist es meins?

Veröffentlicht von Gitti Müller

Gitti Müller ist Buchautorin und Filmemacherin aus Köln. Für ihre Reportagen erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen. Sie selbst bezeichnet sich als Globetrotterin und Storytellerin aus Leidenschaft. http://de.wikipedia.org/wiki/Gitti_Müller www.gitti-mueller.de

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